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Rezension zu: Die Farbe des Nordwinds von Klara Jahn

17. April 2021
Die Farbe des Nordwinds

Facts:

  • Titel: Die Farbe des Nordwinds
  • Autorin: Klara Jahn
  • Genre: Roman
  • Verlag: Heyne
  • ISBN: 978-3453273139
  • Hardcover mit 400 Seiten

Inhalt

Ellen ist auf der Suche nach einer Heimat. Als Kind und Jugendliche ist sie mit ihrer Mutter oft umgezogen, doch der einzige Ort, an dem sie sich jemals heimisch gefühlt hat, waren die Halligen. Dort hat ihre Mutter sich kurze Zeit als Halligbäuerin versucht. Zusammen mit Thijaman und Liske waren sie für einige Monate eine Familie.

Schon als Kind war Ellen ein Bücherwurm, der Informationen in sich aufsog wie ein Schwamm. Nachdem sie sich einige Jahre in einer wissenschaftlichen Karriere versucht hatte und ihre Beziehung zu Bruch ging, verschlägt es sie als Lehrerin wieder auf die Halligen. Ellen versucht an die Vergangenheit anzuschließen, möchte in ihrer selbsternannten Heimat, diesem rauen Fleckchen Erde, aufgenommen werden. Doch die Halliglüd sind skeptisch, misstrauisch und voreingenommen. Auch Liske bleibt ihr gegenüber verschlossen. Sie konnte Ellen nie verziehen, dass sie fortgegangen ist.

Mit Hilfe einer Chronik offenbart sich ein zweiter Zeitstrahl, der uns zweihundert Jahre in die Vergangenheit katapultiert. Das Leben auf der Hallig ist hart und erbarmungslos. Es ist unendlich schwer, dem Land auch nur das Nötigste abzuringen. Als Arjen seine beiden Eltern verliert, lässt er seinen kleinen Bruder dort allein zurück, um auf dem Festland zu einem Gelehrten zu werden.

Auch er kehrt als Erwachsener mit seiner Frau auf die Halligen zurück, gehört jedoch nicht mehr dazu. Auch sein Bruder hat ihm sein Fortgehen nie verziehen. Und genau wie Ellens Vorschläge, werden auch Arsens Verbesserungsvorschläge nicht ernst genommen und abgewunken.

Obwohl Zweinhundert Jahre die beiden trennen, haben sie doch einiges gemeinsam. Die Sehnsucht, dazu zugehören. Die Suche nach er Heimat. Der Wunsch, gehört zu werden.

Meinung

Ich persönlich bin noch nie über den Weißwurstäquator hinaus gekommen. Ich war noch nie an der Nordsee, geschweige denn auf den Halligen. Trotzdem habe ich die Landschaft vor meinem inneren Auge gesehen, den Wind in meinen Haaren gespürt und das Meersalz auf den Lippen geschmeckt. Wie vielen anderen kam es mir wie ein kleiner Wochenendtrip in dieser rauen Landschaft vor. Allerdings empfand ich es keineswegs als idyllisch. In jedem Satz hat man die Erbarmungslosigkeit der Natur gespürt und die schroffe Art der Halliglüd hat mich getroffen.

Der Roman „Die Farbe des Nordwinds“ ist ruhig geschrieben, was mir sehr gut gefallen hat. Teilweise ergeben sich dadurch kleine Längen, dafür zeiht das letzte Viertel rasant an und weißt einen Plottwist auf, den es meiner Meinung nach nicht benötigt hätte. Der Roman glänzte für mich durch seine poetische und eindringliche Art, nicht durch Spannungsaufbau.

Außerdem fand ich es sehr spannend, mehr über diese bedrohte Landschaft zu erfahren. Da ich allerdings sehr wenige Vorkenntnisse mitbrachte, stolperte ich über einige Begrifflichkeiten. Die Autorin lässt hier Welten aufeinanderprallen: Die altmodischen Halliglüd werden mit der veganen YouTube-Mutti, Selbstfindung-Touristen und den Problemen des fortschreitenden Klimawandels konfrontiert. Und ständig präsent ist die Frage nach der Zugehörigkeit, nach dem inneren Frieden und der Familie.

Allerdings konnte ich mit keiner der Figuren richtig warm werden. Jede einzelne Person auf den Halligen wirkte auf mich traurig, verbittert und mit sich selbst beschäftigt. Mir fehlte etwas Wärme, mehr Zuversicht, mehr Sympathie. Ellen wirkt auf mich unnahbar und undurchschaubar, ich habe sie bis zum Ende hin nicht ganz verstanden. Die Nebenfiguren entsprachen teilweise etwas zu sehr einem Klischee, aber darüber konnte ich noch hinweg lesen.

Fazit zu Die Farbe des Nordwinds:

Am Besten haben mir in „Die Farbe des Nordwinds“ die vielen Informationen gefallen, die geschickt eingeflochten wurden. Ich konnte viel bei dieser Lektüre lernen. Die Zeitebenen haben sich auch gut miteinander verbunden, toll fand ich hier, dass es sich endlich einmal nicht um eine große Familiengeschichte handelt, sondern die Erfahrungen und Gefühle die beiden Protagonisten vereinen. Trotz allem konnte ich mich nicht so wirklich in die Personen hineinversetzen und sie verstehen. Um es in Zahlen auszudrücken: 3.5/5 Sternen.

Hier findet ihr nähere Informationen oder könnt das Buch direkt kaufen: Die Farbe des Nordwindes von Klara Jahn

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